RAN 2021

Anbei findet ihr den Bericht von Peter Kleinheider und Magdalena Bernhard, die am Race Around Niederösterreich 2021 teilgenommen haben:
 
Nachdem Maria Lechner bei unserer Dezember 2020 Crossausfahrt einen Unfall hatte und operiert werden musste, viel mein Plan, das RAN 2021 mit Ihr zu bestreiten mal ins Wasser. Bei einer Jänner Ausfahrt lernte ich Lena kennen und erzählte ich davon.
 
Lena, die erst seit 1,5 Jahren aktiv Rad fährt, meinte, dass Sie das mal machen wolle. Ich sagte nur "Dann mach ich das mit Dir" und somit war es besiegelt. Ich gab Ihr Tipps fürs Training, die Sie beherzt annahm und sehr fleißig auf Zwift fuhr.
Nachdem ich im Verein niemanden als Betreuer fand (Markus hatte den Teubenbachers zugesagt, Suchi unterstützte die Kremser) fragte ich meine Segel Kollegen, die sofort zustimmten. Wir hatten also bereits einen Fahrer und einen Navigator. Beide ohne Raderfahrung, jedoch sehr ambitioniert.
So vergingen die Monate mit Training. 6 Wochen vor dem Training kümmerten wir uns um ein Fahrzeug, dass die Fahrschule Moritz beisteuerte - ein Vito Bus. Vom Verein (Christoph) erhielt ich dankenswerter Weise die Lichter fürs Auto, als auch Kisten mit Material, dass wir beim RAA hatten.
Auf Grund meiner wenigen RAA Erfahrung als Begleiter und Fahrer absolvierte ich mit dem Team eine Testfahrt, um fliegende Wechsel, Wechsel im Lichtkegel, Funk und Navigation zu üben. Es war nun 4 Wochen vor dem Rennen und uns fehlte noch ein dritter Betreuer. Wir hatten Glück, da die Familie Teubenbacher das Rennen absagte und Markus Brandstätter uns nun zu Verfügung stand.
Bei dieser Testausfahrt kamen nicht nur die Fahrer, sondern auch die Betreuer ins Schwitzen. Nun war den beiden Seglern (Karl Ferk, Michael Nadlinger) klar, dass das ähnlich einer Regatta sein wird. Kurze Zeiten zum Durchschnaufen, bevor es wieder Aktion gibt, und da muss jeder Handgriff passen. Einen Abend verbrachte ich mit Lena um Taktiken und Wechsel zu besprechen, und auch nochmals die Geländetopologie zu studieren. Auf Grund der langen flachen Passage vom Weinviertel bis zum Semmering, besorgte ich mir 1 Woche vor dem Rennen noch einen Zeitfahrer.
 
Am Tag vor dem Rennen richteten wir das Auto ein, testeten die Lichter und bereiteten uns auf das Rennen vor.
 
Durch die Corona Maßnahmen zog sich die Registrierung und die technische Abnahme etwas in die Länge. Es war ein typischer Apriltag im Mai. So starteten die ersten Solofahrer in strömendem Regen - ganz und gar nicht zu den Wettervorhersagen passend.
Jetzt lernte ich auch unser Media-Car Team von BMW Plattner kennen - Konstantin und Darius, die Fotos und Videos unterwegs machten.
 
Als wird um 20:38 endlich an die Reihe kamen, war die Straße wieder aufgetrocknet. Da ich nach geplanten 3h Fahrzeit im Weinviertel auf den Zeitfahrer umstiegen, startete Lena das Rennen. Wegen der Corona Maßnahmen durfte nur sie auf die Startrampe und war somit die erste von uns, die im Livestream zu sehen war. Warm eingepackt, da es mittlerweile unter 10 Grad hatte - und es sollte noch kälter werden.
 
Es ging los. Nach ca. 10 km die erste Stop-Tafel. Wir gaben Lena durch, nicht auf den Fuß am Boden zu vergessen, was sie befolgte. Dennoch bekamen wir eine 15 Minuten Strafe - sie kam an der Kreuzung nicht komplett zu stehen. Was soll man da sagen. Ich fand das echt übergenau. Aber so waren da die Regeln. Dann kam eine Abzweigung in einem Wald, die der Navigator übersah. Langsam wurde ich unruhig - innerlich und äußerlich. Ich koordinierte die Mannschaft und bereitete mich auf meinen ersten Wechsel vor. Stop bei einer Straßenbucht, raus zum Rad und - oh Scheiße, ich hatte noch Turnschuhe an. Also schnell wieder rein, weiter, Schuhe umziehen. Bucht suchen.
Der Wechsel ging schnell und ich trat mal an. Lt. meinen Wattzahlen war ich im oberen grünen Bereich, dennoch überholten wir in der nächsten 1/2 Stunde insgesamt 6 Teams. Meine Mannschaft meinte - ich fuhr unbeirrt rauf und runter, immer das gleiche hohe Tempo - vor lauter Wut. Dabei fühlte ich mich sauwohl da draußen, und verstand nicht, wieso einige so langsam waren. Ich kontrollierte nochmals Puls und Leistung. Alles im grünen Bereich.
 
Durch die zahlreichen Teilnehmer sah man überall Blinklichter. Nach jedem Überholvorgang, der echt flüssig funktionierte, war es dunkel vor mir (um mich herzu war natürlich alles Hell, dank unseres 25000 Ansi Lumen Fluters - mit dem übersah ich gut die Felder, um auf eventuellen Wildwechsel zu reagieren). Das machte echt Spaß. Nach gut 1h folgte wieder der Wechsel zu Lena.
 
Als ich vor der Abfahrt ins Weinviertel dran kam, hatten wir draußen gerade mal etwas über 0 Grad. Mit dem feuchten Gewand war es Saukalt. Nach kurzer Zeit am Rad aber war mir wieder warm, und es ging mit gut 45 Sachen (dank eines Westwinds) Richtung Marchfeld.
 
Wir flogen förmlich dahin und wechselten im Stundentakt. Nach der Abzweigung Richtung Süden drehte der Wind leider auf WSW, sodass wir bis zum Semmering schrägen Gegenwind hatten. Meine Geschwindigkeit fiel auf in etwa 37km/h. Langsam wurde es heller und hinter uns ging die Sonne auf. Leichte Strahlungswärme - ahhhh. Wiener Neustadt - ein entbehrlicher Teil der Strecke wegen der vielen Ampeln. Und mit 35-40 km/h fällt man leider immer wieder aus der grünen Welle. Dafür hat man Zeit zum Verschnaufen. Lena übernahm die Neunkirchner Allee und ich bereitete mich geistig auf den Semmering vor.
Bisher hatten die den Tracker im Trikot eingesteckt. Die Übergabe bisher war kein Thema, da diese immer stehend im Lichtkegel erfolgte. Nun aber begannen die fliegenden Wechsel. Das hatten wir nicht trainiert und so kam es in Folge immer wieder zu kleinen Hoppalas,
Der Semmering - ich plante dort kürzere Wechsel so alle km. Dadurch, dass es ein längeres Flachstück gab, waren wir im Endeffekt länger am Rad und waren gefühlt im Nu oben. Ich kam zum Pflichtstop und Interview vor der Kamera an. Uns ging es extrem gut - das kam, so denke ich, bei dem Interview auf gut rüber. Es ging weiter. In der "kalten Rinne" habe ich das erste und einzige mal auf das kleine Kettenblatt geschalten - 21% Steigung. Hier wurden wir zum ersten mal von einem anderen Team eingeholt. Dem führenden 3er Team. Weder Bergauf noch Bergab konnte ich dran bleiben. Es ging Schlag auf Schlag weiter. Es folgten nun 30 Minuten Wechsel. And er kalten Kuchl vorbei, wo uns die Teubenbachers anfeuerten, Kernhof, St. Ägyd, Richtung Wastl.
Auf dem "Anstieg" zum Wastl verkürzen wir die Wechsel wieder - ab hier bekamen wir eine Radbegleitund von Lenas Vater, mit entsprechendem Abstand. Ich hatte bisher nie auf die Tageszeit geschaut. Ich wusste nur, dass wenn wir um 12:30 am Wastl sind, wir einen Schnitt von 30 km/h hatten. Das hatte ich mir gewunschen, aber ich habe es uns nicht zugetraut. Oben angekommen sah ich auf die Uhr und es war 12:11 - ich ließ einen Freudenschrei los und sagte mir: diese Zeit bringen wir ins Ziel. Auch wenn es noch das Yspertal kommt.
Der Abstieg vom Wastl bis nach Purgstall zog sich, da der Wind nun von NW kam. Ich hätte vorher nicht sagen sollen, dass wir dort den Wechsel machen. Das war das erste mal, dass ich eine leichte Erschöpfung spürte, als ich im Auto saß. Beim nächsten Wechsel in Ybbs aber war diese schon wieder verflogen.
Es kam der letzte Teil, den viele in den zwei Jahren davor so unterschätzt hatten. Wir hatten uns darauf vorbereitet und ich konnte noch Leistungsreserven mobilisieren. Nun überholten uns die Kremser, mit den ich mir ein kurzes Match lieferte. Eine kurze Plauderei mit Suchi. Wögi war vor mir. Ich konnte den Abstand halten. Nach dem Wechsel der Kremser überholte ich deren Fahrer zurück. Nach unserem Wechsel übernahmen die Kremser wieder und wir ließen sie ziehen. Ich wollte mich da jetzt nicht verbrennen und fuhr mein Tempo weiter.
 
Auch dieser Teil der Strecke flog gefühlt vorbei und wir näherten uns dem Ziel, in das wir gemeinsam einfuhren. Wir waren glücklich - das Photo gleich danach in der NÖN zeigt das deutlich. 7 Minuten später kam das Mixed Siegerteam an (Die ebenfalls das Stop-Tafel Penalty erhielten). Jetzt war fix: wir haben einen Stockerlplatz.
Niemand von uns hatte die Gesamtwertung irgendwie im Blickfeld. Denn wenn ich gewusst hätte …
 
Ich war nur glücklich und mit Lena's und meiner Leistung extremst zufrieden. Überhaupt mit Lena. Keine Rennerfahrung, Fahren nach Gefühl (sie hatte zwar einen Powermeter, aber nicht verbunden) und sich auf meine Erfahrung verlassen. Die hat Potential.
 
Die Siegerehrung war kurz, auch wieder mit einem kleinen Interview. Danach gab es einen nachhaltigen Preis - einen Baumscheibe mit der Platzierung als Brandmal und eine 6er Tragerl Bier. Ich stellte mein Rad ab und - PFFFFFF - Reifen durchstochen. Das darf jetzt auch sein, dachte ich, trank mein Bier.
 
 
Info: Meine Nahrung bestand zu 90% aus Flüssignahrung, isotonischen Trinks mit Salztabletten und sauren Shots. Mir fehlte zu keinem Zeitpunkt was, ich hatte nie übermäßig Hunger oder Durst, keine Krämpfe oder erschöpfungsbedinge Leistungseinbrüche.
 
Danke für die Unterstützung unseres Unternehmens:
Fahrschule Moritz
BMW Plattner
zweiradfreude OG
 
Fotos von:
Konstantin Bernhard
Michael Bernhard

 

Markus Brandstätter